Schäuble und Kohl wollten 1990 die Stasi-Akten vernichten

Es war die Demokratiebewegung in der ehemaligen DDR , die 1989/1990 die Öffnung der Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes forderte. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der damalige wie heutige Innenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) hatten 1990 dazu geraten, die Stasi-Akten der historischen Aufarbeitung zu entziehen.

Am 25.02.2009 schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" auf Seite 1:

Schäuble hatte erst kürzlich bekannt, dass er 1990 versucht habe, die Akten der Staatssicherheit der historischen Aufarbeitung zu entziehen. Auf die Frage der Zeitschrift "Super Illu": "Stimmt es, dass Sie im Vorfeld der Wiedervereinigung mit dem Gedanken gespielt haben, die Stasi-Akten unbesehen zu vernichten?", antwortete Schäuble im Januar 2009: "Ja. Ich habe dazu - genau wie Helmut Kohl - geraten, damit die Streitigkeiten der Vergangenheit nicht zu sehr den Wiederaufbau der neuen Länder und damit die Zukunft belasten."

Die letzte frei gewählte Volkskammer der DDR (18.03.1990 - 02.10.1990) beschloss die Sicherung und kontrollierte Öffnung der Stasi-Unterlagen. Kohl und Schäuble mussten den Wunsch der ostdeutschen Mitbürger akzeptieren.

Diese Aussage bestätigt auch ein Schreiben von Rainer Eppelmann aus dem Jahr 1992 an die damalige Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger, in dem er auf die Aktenvernichtung von Behörden der "Militäraufklärung und das Informationszentrum der ehemaligen DDR, die Nationale Volksarmee" verweist. Auch Eppelmann wollte die strafrechtliche Verfolgung von Mitarbeitern dieser Behörden verhindern. 

Auf der Basis des Gesetzes über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (Stasi-Unterlagen-Gesetz - StUG) vom 20.12.1991 werden die immer noch unzähligen Unterlagen wissenschaftlich aufgearbeitet.

Geschichte, Organisationsstruktur und Aufgaben des MfS können auf der Website der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (kurz Birthler-Behörde) nachgelesen werden. 

Als Ergänzung zu diesen Informationen ist ein Besuch des Bürgerkomitees Leipzig e.V., dem Träger der Gedenkstätte "Museum in der ‚Runden Ecke'", empfehlenswert. 

Februar 2009: SED-Millionen aufgetaucht!

Am 20.Februar 2009 - knapp 20 Jahre nach dem Mauerfall - berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk, dass die Ost-Länder demnächst 120 Millionen aus dem SED-Vermögen erhalten werden. Woher kommt das Geld  nach so langer Zeit?

Ganz einfach: Am 09.01.2009 ist vor dem Bezirksgericht Zürich ein Vollstreckungsvergleich zwischen der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) und der ehemaligen Geschäftsführerin der Novum Handelsgesellschaft, Rudolfine Steinding ausgehandelt worden. Die Novum GmbH war vor der Wende in Ost-Berlin ansässig. Ihr Hauptsitz war aber in Wien. Daher hatte die Kommunistische Partei Österreich (KPÖ) Anspruch auf dieses Vermögen angemeldet, weil - so die KPÖ - die Novum GmbH zu ihrem "Wirtschaftsapparat" gehöre. Im September 2003 hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin nach einem zehnjährigen Rechtstreit entschieden, dass die Novum eine SED-Firma war und zur Wendezeit über ein Firmenvermögen von rd. 250 Millionen Euro verfügte. Dieses Vermögen falle nun an den Staat, d.h. an die Bundesrepublik Deutschland. Laut Einigungsvertrag gehört es den neuen Bundesländern.

Da die Gelder auf Geheimkonten in der Schweiz, in Ungarn. Österreich, Luxemburg und Lichtestein untergebracht waren, dauerte es weitere sechs Jahre bis zumindest 120 Millionen gerichtlich erstritten werden konnten.

Wie der MDR meldet, kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch künftig verstecktes Geld der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR  auftauchen könnte

Gelder aus SED-Vermögen für Schloss Friedrichsfelde

Das Land Berlin hat aus dem Topf der sog. Novum-Gelder* - gemeint sind die wieder aufgetauchten SED-Millionen -  rd. 4,5 Mio. EUR erhalten. Bevor die Meldungen über das wieder aufgetauchte SED-Vermögens im Februar 2009 durch die Presse gingen, waren die Länder bereits vorinformiert worden. Der Berliner Senat hatte am 11.12.2008 dem Abgeordnetenhaus mitgeteilt, dass dem Land Berlin 4,45 Mio. EUR  zugeflossen sind. Über eine Verwendung gab der Senat keine Auskunft, sondern bat um Fristverlängerung bis zum 30.06.2009.

Die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hat daraufhin am 06.01.2009 den Antrag gestellt, die verschobenen Gelder aus dem SED-Vermögen für die Opfer der  SED-Diktatur zu verwenden. Dieser Antrag wurde im Mai (!) 2009 im Ausschuss für Inneres, Sicherheit und Ordnung mehrheitlich mit den Stimmen der SPD- und Linksfraktion bei Enthaltung der Grünen und in Abwesenheit der FDP abgelehnt und dem Hauptausschuss überwiesen. Dort wurde der Antrag am 10.06.2009 behandelt und mehrheitlich mit den Stimmen der SPD- und Linksfraktion bei Enthaltung der Grünen und der FDP abgelehnt und dem Plenum überwiesen. Am 25.06.2009 wurde der Antrag endlich im Abgeordnetenhaus von Berlin behandelt. Erwartungsgemäß wurde er mit den Stimmenverhältnissen wie zuvor abgelehnt. Allerdings meldete sich der Abgeordnete Andreas Otto (Grüne) zu Wort und verwies  mit deutlichen Worten auf das Vorgehen des Berliner Senats. Wörtlich sagte er: " Ich finde, das ist kein redlicher Umgang mit dem Parlament." (S. 4695 Plenarptotokoll)

Was war geschehen? Obwohl im Januar 2009 von der SPD im Berliner Abgeordnetenhaus eine Diskussion über Vorschläge der einzelnen Fraktionen zur Verwendung dieser Gelder versprochen worden war, konnte man bereits am 24.03.2009 einer Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Finanzen entnehmen, dass der Senat beabsichtigt, 3,5 Mio. EUR aus dem  SED-Vermögen für die Sanierung und den Umbau des Schosses Friedrichsfelde zu verwenden! Keine Diskussion, sondern knallharte Entscheidung!  Dagegen verwahrte sich der Abgeordnete Andreas Otto und schlug vor, mit dem noch zu erwartendem Geld aus dem Novum-Komplex ein "Zentrum zum Gedenken an Opposition und Widerstand" zu schaffen.

Zur Erläuterung: Die Mittel aus dem DDR-Parteienvermögen sind investiv oder investitionsfördernd für wirtschaftliche, soziale oder kulturelle Zwecke in den ostdeutschen Ländern einzusetzen. Grundlage für die Auszahlung ist eine Vereinbarung zwischen der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS) und den ostdeutschen Ländern vom Januar 2008. Grundsätzlich werden die Mittel nach dem Bevölkerungsanteil von 1990 auf die Länder verteilt.

Das Land Brandenburg wird ca. die Hälfte (10.8 Mio. EUR ) der PMO-Mittel in die Förderung von Maßnahmen zur Erinnerungskultur in Brandenburg bereitstellen!

 

*Die amtliche Bezeichnung lautet: Mittel aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Mittel)

Der "Putnik-Deal" und andere Zaubertricks

Die SED verfügte zum Zeitpunkt der Wende über ein Vermögen in Höhe von 6,1 Milliarden Mark. Hinzu kamen  ein umfangreicher Grundstück- und Gebäudebesitz sowie über 1.800 parteieigene Betriebe, darunter die DEFA. Die Details können im Abschlussbericht der UKPV (Unabhängige Kommission zur Überprüfung des Vermögens der Parteien und Massenorganisationen der DDR) ab S. 29 nachgelesen werden.

Im Dezember 1989 hatte Gregor Gysi auf dem Parteitag die Delegierten  beschworen, "keine Auflösung der SED zu beschließen, da sonst das Parteivermögen verloren geht"  berichtet der Spiegel  im Dezember 2001. 

 Offensichtlich wurden in aller Eile und ohne sonderliche Sachkompetenz die Gelder an getreue Genossen gegeben, die damit Firmen gründeten, die aber nicht immer erfolgreich agierten. Beispiel: die "Elektronische Mediengesellschaft" (EMG), die mit SED-Vermögen 1990 gegründet, aber bereits drei Jahre später  von der UKPV an eine englische Fondsgesellschaft verkauft worden war. 

Eine recht auffällige Transaktion war die Übereignung von 75 Millionen Mark aus dem SED/PDS-Vermögen an den PLO-Waffenhändler Abdul Majid Younes am 31. Mai 1990 - ein Tag vor Inkrafttreten des neues Parteiengesetzes der DDR! Younes erhielt diesen nicht unerheblichen Betrag für seine "Islamische Religionsgemeinschaft"(Focus ) . Gegründet hatte Younes diese Religionsgemeinschaft im Februar 1990!

Nach dem Bericht des Magazin "Spiegel" von 1992 übertrug man ihm aber weit mehr Vermögenswerte aus dem Parteivermögen.

Besonders ungeschickt verhielten sich die Genossen offensichtlich beim Versuch 107 Millionen DM (wohlgemerkt DM, nicht DDR-Mark) ins Ausland zu verbringen. Unter dem Namen "Putnik-Deal" wurde der Vorgang im Koko-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages aufgedeckt. Nachzulesen in einem Auszug aus der Drucksache 13/10900 des Deutschen Bundestages. Es liest sich wie ein Krimi, leider ist es ein Tatsachenbericht. Der vollständige Bericht kann hier nachgelesen werden  

Übrigens: der Bundestagsabgeordnete der damaligen PDS, heute „Die Linke“, Wolfgang Bierstedt, in diesem Untersuchungsausschuss als Berichterstatter tätig, war bereits Mitglied im ersten Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages mit der Bezeichnung "DDR-Vermögen", der auch verschwundenen Stasi-Geldern nachspürte. Zu dieser Zeit beschäftigte Bierstedt in seinem Büro einen Mitarbeiter, der "seit 1972 OibE der von Marcus Wolf geleiteten Spionageabteilung Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) war" (Berliner Zeitung)

Obwohl Teile der Vermögen von SED und anderer Massenorganisationen entdeckt und den neuen Bundesländern gemäß Einigungsvertrag zugeführt werden konnten, bleiben andere Konten noch unentdeckt. Diese Annahme wird durch ein Zitat aus dem Abschlussbericht der UKVP von 2006 (S. 15) gestützt:

"Dies alles zusammengenommen bedeutet, dass es nach menschlichem Ermessen weiterhin eine Dunkelziffer an unentdecktem Parteivermögen geben dürfte."

 

Persönliche Fragezeichen

Hintergründe

Ein Abend in Weimar - wer sind die OibE ?

Anfang Dezember 1992 habe ich nach einem intensiven Arbeitstag einen Abend im "Elephantenkeller" in Weimar mit Kollegen und Kolleginnen aus den neuen Bundesländern verbracht.    

Wir waren Mitglieder einer Arbeitsgruppe der Kultusministerkonferenz (KMK), deren Aufgabe es war, entsprechend den Vorgaben des Einigungsvertrages  die Gleichwertigkeit beruflicher Abschlüsse der DDR mit den Abschlüssen der Bundesrepublik  auf Fachschulebene festzustellen. Dazu gehörten auch die Ausbildungen innerhalb der Nationalen Volksarmee (NVA). Hierzu war fachlich versierte Unterstützung erforderlich. Mit uns waren daher ein Ausbildungsoffizier der Bundeswehr sowie ein ehemaliger Ausbildungsoffizier der Nationalen Volksarmee - beides sehr sympathische Menschen. Die angenehme Atmosphäre im traditionsreichen "Elephantenkeller" trug sicher dazu bei, dass sich ein sehr offenes  Gespräch entwickelte. Unser Berater aus der ehemaligen NVA - ich nenne ihn einfach mal "Herr Müller" - erzählte uns "Wessis", dass die NVA stets über die Besetzung der westdeutschen Kasernen an den Wochenenden informiert war, was vom Offizier der Bundeswehr mit einem verständnisvollen Grinsen quittiert wurde. Dann aber horchte ich auf. Herr Müller erzählte nämlich, dass im Ministerium für Staatssicherheit  Offiziere mit geheimen Sonderaufträgen geführt worden sind. Man nannte sie "OibE: Offiziere im besonderen Einsatz". Sie haben verdeckt gearbeitet, keiner kannte den anderen.  Alle hatten sie besondere Aufgaben. Ein Teil von ihnen war auf den Tag X vorbereitet worden. Sie hatten die Aufgabe, im Falle eines Systemzusammenbruchs die Idee des Kommunismus weiter zu tragen und für sie zu kämpfen. Dazu standen ihnen geheime Konten zur Verfügung. Ihre Existenz wurde streng geheim gehalten. Nur wenige hauptamtliche Mitarbeiter der Stasi  kannten ihren Namen und ihre Aufträge.

Die Reaktionen auf diese Mitteilung reichten von ungläubigen Staunen bis zu zorniger Wut bei den Kolleginnen und Kollegen unserer Runde. Jeder von uns musste diese Information auf seine Weise verarbeiten.

Ich kann von diesem Bericht erzählen, denn "Herr Müller" lebt nicht mehr. Er hat sich ein halbes Jahr später das Leben genommen. Es handelte sich auch nicht um das Ausplaudern von Geheimnissen, denn bereits 1990 hat der Spiegel im Zusammenhang mit dem zögerlichen Verhalten des damaligen DDR-Innenministers  Peter-Michael Diestel über die Offiziere im besonderen Einsatz und die Erstellung einer Liste mit den Klarnamen berichtet. Im September  1990 ist Diestel vom "Volkskammer Sonderausschuss zur Kontrolle der Stasi-Auflösung" eine Liste mit 70 Namen übergeben worden, aus der hervorging, dass 68 Stasi-Angehörige noch im Ministerium als normale  "Ministeriale" arbeiteten. Dem Artikel ist ferner  zu entnehmen, dass der Stasi-Sonderausschuss der Volkskammer mit bis zu 6000 "Offizieren im besonderen Einsatz" gerechnet hat. 

Aber wer hat damals im Trubel der Wende alle Nachrichten verfolgen können? Mir waren sie entgangen. Und da war ich nicht die Einzige!

Nach Berlin zurückgekehrt, wollte ich über den Wahrheitsgehalt der Aussagen von "Herrn Müller" mehr erfahren. Dabei bin ich im Internet auf die von der Berliner Tageszeitung "taz" im Jahr 1991 veröffentlichte "OibE-Liste" gestoßen. Es gab auch schon Websites mit Informationen über die Existenz und Aufgaben der OibE. Und der "Spiegel" hat entdeckt, dass in der "taz-Redaktion" ebenfalls Oibe gearbeitet haben. Die Angaben deckten sich in allen Teilen  mit den Ausführungen von "Herrn Müller".

Dann verdrängte der Alltagsstress über Jahre die neuen Kenntnisse über eine Spezialtruppe der Stasi. Man las zwar in der Zeitung ab und an von dem bekanntesten OibE, nämlich vom Stasi-Oberst Alexander Schalck-Golodkowski, Deckname "Schneewittchen", wenn er wieder einmal vor Gericht geladen wurde. Aber der Mann hatte letztendlich immer Glück gehabt - auch dank seiner guten Beziehungen zu bundesdeutschen Politikern!

Zum Bestehen der geheimen Stasi-Konten hat der Journalist  Andreas Förster am 05.02.1998 einen Bericht in der Berliner Zeitung veröffentlicht. Zu dieser Zeit war bereits der zweite Untersuchungsausschuss zur Klärung des Verbleibs von DDR-Vermögen und hierbei insb. der Stasi-Konten im Deutschen Bundestag aktiv.

Noch eine Stasi-Begegnung    -  Hauptamtliche Mitarbeiter??

Kurze Zeit nach meinem Erlebnis in Weimar  folgte meine nächste Begegnung mit einstigen Stasi-Mitarbeitern. In der Berliner Verwaltung wurden alle Mitarbeiter auf Stasizugehörigkeit überprüft. Dazu wurden nicht nur die Mitarbeiter aus dem ehemaligen Ost-Berlin überprüft. Auch die West-Berliner  Angehörigen der Berliner Verwaltung wurden auf Stasitätigkeit untersucht. Wer keine Beziehungen zur Stasi hatte, erhielt eine entsprechende Bescheinigung, die ganz schnell den Namen "Persilschein" bekam. Zu dieser Zeit gehörte ich dem Personalrat einer Berliner Senatsverwaltung an. Eines Tages erhielt dieser Personalrat die fristlose Kündigung eines angestellten Mitarbeiters zur Vorlage und Abstimmung. Der Personalrat stimmte ohne Diskussion einstimmig dieser fristlosen Entlassung zu.

Was war geschehen? Der Mitarbeiter aus dem ehemaligen Ostteil der Stadt hatte beim Ausfüllen des entsprechenden Fragebogens verschwiegen, dass er dem Wachregiment "Feliks Dzierzynski." im Range eines Majors angehört hatte. Damit war er Angehöriger der Staatssicherheit, und zwar im militärisch-operativen Wach- und Sicherungsdienst gewesen. Bei der Überprüfung ist seine Zugehörigkeit zur Stasi offengelegt worden und so war er nach Ansicht des Dienstherrn und aller Personalratsmitglieder als Mitarbeiter für die Senatsverwaltung nicht mehr tragbar.

Der Ex-Major klagte vor dem Berliner Arbeitsgericht auf Weiterbeschäftigung in der Senatsdienststelle und bekam Recht. So war er kurze Zeit später wieder in seiner Funktion in der Berliner Verwaltung tätig. Dort wird er sicher noch heute sein.

 Und weitere Stasi-Begegnungen -  "Inoffizielle Mitarbeiter" ?? 

Etwa zeitgleich wurden einige Angehörige der Berliner Parteien als Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi enttarnt. So auch die ehemalige schulpolitische Sprecherin der Berliner SPD. Ihr Code- und Klarname wird im Buch von Hubertus Knabe "Die unterwanderte Republik - Stasi im Westen" Propyläen Verlag 1999, genannt. Obgleich die Presse berichtete , die SPD sich von ihr distanzierte, traf ich sie 1995 auf einer Dienstreise, die nach Bonn und Brüssel führte. Bei dieser Gelegenheit stellte sie mir ihre Version der Dinge vor. Diese Tage habe ich mit sehr gemischten Gefühlen erlebt. Ich traf sie später bei Konzerten und fand ihren Namen erst kürzlich bei INFRANEU, dem Hauptverband für den Ausbau der Infrastrukturen in den Neuen Bundesländern e.V.  Auch in anderen Vereinen ist sie offensichtlich sehr aktiv, z.B.: www.inside-ev.net/ oder www.rheuma-liga-berlin.de/.

 

Noch ein Fragezeichen!   Wer kontrolliert Wikepedia??

Und dann war da noch das komische Erlebnis bei Wikipedia. Anfang September 2008 wollte ich den nach meiner Ansicht einseitigen Text zum Flughafen Tempelhof bearbeiten. Dazu habe ich mich ordnungsgemäß angemeldet, meinen Ergänzungstext eingetragen und nicht schlecht gestaunt, dass er umgehend wieder gelöscht worden war. Ein zweiter Versuch war nicht möglich. Man hatte mich sofort gesperrt. Dabei habe ich nur ganz korrekte, sachliche Ergänzungen in den Text eingefügt. Nun haben Bekannte die Probe aufs Exempel gemacht - mit dem selben Erfolg! Irgend jemand hat  bei Wikipedia  das Thema Flughafen Tempelhof  nach seinen Wünschen manipuliert. Die Sperrungen wurden übrigens erst im Dezember 2008 aufgehoben!

Wo ist die OibE-Liste geblieben?

Warum  auch immer, ich interessierte mich nun wieder für die OibE-Liste. Aber sie ist verschwunden! Es gibt zwar noch verstümmelte Spuren bei  den Suchmaschinen, doch  man erhält entweder eine Fehlermeldung oder landet bei Lycos "trypod", wo bedauert wird, dass die gesuchte Liste nicht zur Verfügung steht.

Was war geschehen?  Dieses Versteckspiel nach so vielen  Jahren hat nun doch meine Neugier geweckt. Bei der Suche nach den Gründen für die Entfernung der OibE-Liste aus dem Internet bin ich auf eine Lösung gestoßen:

Der Berliner Datenschutzbeauftragte Prof. Dr. Dr. Garstka hat auf Grund der Anzeige eines betroffenen OibE  im Januar 2000 die gesamte Liste unter Datenschutz stellen lassen wollen. Das ist damals offensichtlich nicht gelungen, weil die Berliner Staatsanwaltschaft die Klage des ehemaligen Stasi-Angehörigen nicht anerkennen wollte.

Und wo ist die Hamster-Liste ?

Nun  lief etwa zeitgleich ein weiteres Verfahren. Kurz nach der Wende ist die sogenannte "Hamster-Liste" (Hauptamtliche Mitarbeiter der Stasi nach den Entgelten für die Rentenabrechnung) auf einer Internetseite mit dem kuriosen Namen www.nierenspende.de   (heute www.nierenspen.de ) aufgetaucht, eine Liste mit den Namen und Personalkennzahlen der hauptamtlichen Stasi-Mitarbeiter - noch vor der Wende vom damaligen Ministerium für Staatssicherheit (MfS) selbst erstellt. Zum Umfang der Liste und ihrer Herkunft gibt es unterschiedliche Angaben.  Da auch noch eine Liste mit dem Namen Fipro (Finanzprojekt) besteht, ebenfalls vom MfS zu DDR-Zeiten angefertigt, kann es zu Unstimmigkeiten oder Überschneidungen kommen. Die einen sagen, es handele sich um über 97 000 Namen, andere reden von 68 000. So zu finden auf der Website   www.mfs-insider.de, auf der ehemalige Stasi-Mitarbeiter klar stellen: Das Ministerium für Staatssicherheit  hatte 1989 einen Personalbestand von 68 000 Mitarbeiter (ohne Wachregiment u. ohne Sportvereinigung Dynamo)

Der wissenschaftliche Mitarbeiter der BStU (Bundesbeauftragte/r für die Unterlagen der Staatssicherheit der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik)  Jens Gieseke  gibt in seinem Buch "Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Staatssicherheit", Berlin 2000, an, dass es insgesamt 91 015 hauptamtliche Mitarbeiter waren. Davon gehörten 11 426 zum Wachregiment, und 2 232 waren OibE. Die Anzahl der Dynamo-Mitarbeiter dürfte dann die Lücke von noch rd. 16 000 Mitarbeitern in der Angabe der ehemaligen Stasi-Angehörigen  schließen.

Aber  zurück zur Hamster-Liste. Das Auftauchen dieser Liste auf einigen Websites hatte einen erheblichen Wirbel verursacht. Die Berliner Staatsanwaltschaft konnte zwar nichts Straffälliges an der Veröffentlichung der Liste erkennen, doch der Berliner Beauftragte  für Datenschutz und Informationsfreiheit - so die vollständige Dienstbezeichnung - setzte alles daran, die Betreiber der Websites, die einen Link zur Hamsterliste auf ihren Websites gesetzt hatten, unter Druck zu setzen, damit sie diese Links entfernten. 

Dazu bedrohte er die Betreiber in Bayern und Sachsen-Anhalt mit "Freiheitsstrafe oder Geldbuße bis zu 250.000 Euro", obgleich er weder für das Land Bayern noch das Land Sachsen-Anhalt zuständig war.

Der Vorgang kann ausführlich nachgelesen werden im "Spiegel" vom April 2002 und Juni 2002 .

Es ist auch nicht verwunderlich, dass einige Journalisten das Vorgehen des Berliner Datenschützers als "fragwürdig" empfanden und feststellten, dass der sog. Rechtsexperte von Herrn Prof. Garstka  gar kein Jurist war, sondern ein Absolvent der Hochschule für Ökonomie "Bruno Leuschner",  Berlin-Karlshorst im Studiengang "Wirtschaftswissenschaften".

Der Vorgang dürfte ziemlich peinlich gewesen sein, denn man versuchte nun über einen sog. "Maßnahmeplan" - ein Begriff aus dem Stasi-Wortschatz - einen Ausweg aus dieser Situation zu finden. Ausführlich beschreiben der Spiegel im Juli 2002 sowie der Journalist Dr. Frieder Weiße  die Vorgänge. Der Journalist Hendrik M. Broder stellte 2002 die Frage:

"Ist Datenschutz Täterschutz?"  (Spiegel vom 03.07.2002)

 Zeitsprung

Die FAZ vom 29.01.2009 schreibt unter der Überschrift: "Generalverdacht gegen 173 000 Bahnmitarbeiter" ( S. 11) über die Überprüfung der Mitarbeiter der Deutschen Bahn, die in den Jahren 2002 und 2003 erfolgt ist, folgenden Satz: "Der Berliner Datenschutzbeauftragte habe es grundsätzlich bejaht."

Derselbe Datenschutzbeauftragte, der sich um den Datenschutz der Stasi-Mitarbeiter so sorgte, hatte keine Bedenken bei der Überprüfung von 173 000 Bahn-Mitarbeitern auf mögliche Straftaten im Zusammenhang mit Korruption bei der Bahn ???

Da kommen merkwürdige Fragen auf - auch wenn sechs Jahre vergangen sind!

 Gibt es ein Recht auf Vergessen?

Im November 2008 befasst sich der "Spiegel" in einem ausführlichen Artikel  mit den Forderungen ehemaliger Stasi-Mitarbeiter - hauptamtliche und inoffizielle -, die Verlage, Autoren, Einrichtungen, Ausstellungen, ja auch die Birthler-Behörde mit Unterlassungsklagen überziehen. Unter Androhung hoher Geldstrafen wird die Anonymisierung ihrer Namen gefordert - auch wenn ihre Tätigkeit für die Stasi eindeutig dokumentiert worden ist. Georg Herbstritt, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Birthler-Behörde, hat 2007 im Rahmen der Reihe "Analysen und Dokumente" den Band 29 "Bundesbürger im Dienst der DDR-Spionage" vorgelegt.  In dieser wissenschaftlichen Studie werden Klar- und Codenamen Inoffizieller Mitarbeiter genannt - entsprechend Paragraf 32 des Stasi-Unterlagen-Gesetzes. Ein westdeutsches Ehepaar, beide ehemalige IM, klagten vor dem Hamburger Landgericht auf Unkenntlichmachung ihrer Klarnamen. Und tatsächlich: Die Namen sind auf den Seiten 63 und 445 des Buches geschwärzt!Der Spiegelartikel zeigt eine Fülle ähnlicher Fälle auf.

Georg Herbstritt widmet ein ganzes Kapitel seines Buches dem Thema:

"Politisch engagiert: West-IM in Parteien und Volksvertretungen"

Allein dieses Kapitel vermittelt einen annähernden Eindruck von dem unglaublichen Fleiß der Stasi bei der Unterwanderung der bundesrepublikanischen Strukturen. Dabei haben die West-IM je nach dem Grad ihrer Nützlichkeit ordentlich Geld verdient.  Ein Beispiel für eine West-IM-Karriere ist Hagen Blau, dessen Lebensstationen bei Wikepedia  nachzulesen sind.

 

 

Was ist aus "Mr. Tempelhof" geworden?

Der langjährige Geschäftsführer der Windrose Air Jetcharter GmbH, Thomas Stillmann, hat seit 1990 eine beachtliche Karriere in Berlin gemacht. Der damals 38-jährige Stillmann hatte mit einigen Freunden und einer Cessna das Unternehmen Windrose Air gegründet und zu einem ansehnlichen Erfolg geführt. 2008 hatte das Unternehmen 60 Mitarbeiter, Niederlassungen in Leipzig und Posen sowie einen Kooperationsvertrag mit dem chinesischen Flugunternehmen DEER Jet in Peking. Stillmann nannte sich selbst gern "Mr. Tempelhof".

Daneben war Stillmann seit dem Jahre 2002 Präsident des Bundesverbandes mittelständische Luftfahrt e.V. (BVML), Mitbegründer des Berlin Capital Clubs, Mitglied im Lions Club  und anderer hochrangiger Vereinigungen.

Vor allem war er aber ein aktiver Streiter für die Offenhaltung des Flughafens Tempelhof. Er setzte sich an die Spitze der in Tempelhof ansässigen Unternehmen und klagte gegen die diversen Schließungsbescheide des Berliner Senats. Zusammen mit der Germania Fluggesellschaft mbH hatte er dem Berliner Senat angeboten, den Flughafen Tempelhof  privatwirtschaftlich zu betreiben. Im Jahr 2004 wurde dieses Angebot erneuert.

2007 legt Stillmann ein neues Angebot für die Übernahme Tempelhofs vor. Im Juli 2007 wird erneut Klage - gemeinsam mit der ICAT - gegen den Schließungsbeschluss eingereicht.  Im August 2007 ist Stillmann Mitglied der Wirtschaftsdelegation, die die Bundeskanzlerin nach Peking begleitet.

Dann, sieben Monate später und gut vier Wochen vor dem Volksentscheid über die Offenhaltung des Flughafens Tempelhof am 27.04.2008, veröffentlicht das Magazin "Spiegel"  am 10.03.2008 einen umfangreichen Artikel über Thomas Stillmann und seine Stasi-Aktivitäten in der ehemaligen DDR. Stillmann legt umgehend Klage gegen diesen Artikel und gegen Unbekannt ein. Zur gleichen Zeit zieht er aber seine Klage gegen den Schließungsbeschluss wegen mangelnder Erfolgsaussicht zurück.

Im August 2008 beklagt sich Stillmann über den bevorstehenden Umzug in das GAT in Schönefeld, zumal eine Autobahnabfahrt in südlicher Fahrtrichtung fehlt. Die aus Berlin anreisenden Fluggäste müssen einen erheblichen Umweg in Kauf nehmen, um zum Schönefelder GAT zu kommen. Anfang Oktober stellt er in einer Sendung der Berliner Abendschau die "eleganten Räume" seines Unternehmens in Schönefeld vor und ist sich sicher, dass in der Angelegenheit  "der fehlenden Autobahnabfahrt ein Kompromiss gefunden wird".

(Alle Quellen zu diesen Angaben hier.)

Ein Blick auf die Website der Windrose Air zeigt, dass Stillmann nicht mehr Geschäftsführer ist.

Wenn jemand so lange und mit erheblichen Einsatz für eine Sache gekämpft hat,  stellt sich schon die Frage, warum nichts mehr von ihm zu hören ist..

Sichtweisen der ehemals Aktiven und anderer

Zur Beschäftigung mit diesem Thema gehört auch die Information über die heutigen Sichtweisen der ehemals aktiven Mitarbeiter der Staatssicherheit und anderer Organe der ehemaligen DDR. Dazu gibt es diverse Möglichkeiten. Auf verschiedenen Websites kann man einen Einblick davon gewinnen. Ausgangspunkt ist das Internatportal www.mfs-insider.de  Die Intention dieser Website:

"Wir sind ehemalige Mitarbeiter des MfS der DDR und  an der wahrheitsgemäßen Aufarbeitung der Geschichte interessiert."

Unter dem Menüpunkt:  "Sie erreichen uns und andere..." ist eine umfangreiche Liste mit Links und ergänzenden Informationen  aus unterschiedlichen Bereichen aufgeführt.

Beispiele sind:

www.gbmev.de

www.grh-ev.org : Dort im Menü. "AG Grenze" oder "Bilanz der politischen Strafverfolgung" anklicken

www.isor-sozialverein.de

"Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angehöriger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR"

Noch mehr Informationen und Links finden sich unter: www.okv-ev.de , das "Ostdeutsche Kuratorium von Verbänden e.V. (OKV)"

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