Thomas Kärger testet die Flugrouten im Simulator
Eine Aktion der Berliner Morgenpost
Die Aktion der Morgenpost-Online ist bemerkenswert: Thomas Kärger, Airbuspilot mit langjähriger Flugerfahrung und Herausgeber des Luftfahrtmagazins "roger", ist die von der Deutschen Flugsicherung vorgestellten Flugrouten im Flugsimulator mit einem Airbus 320-200 und einem Airbus 330-200 jeweils einmal voll besetzt und einmal leicht besetzt geflogen. Der A 320 ist mit der Boeing 737. Beide Flugzeugtypen machen etwa 80 % des derzeitigen Flugaufkommens aus. Die Ergebnisse sind sehr interessant. Demnach wird der Lärm geringer sein, als bislang anzunehmen.
Frage: Warum musste erst eine Berliner Zeitung auf die Idee kommen, den Test mit dem Flugsimulator durchführen zu lassen?
Hätten sich die verantwortlichen Politiker und sonstige Verantwortliche nicht viel Ärger sparen können? Ist keiner auf die Idee gekommen? Schade, es hätte vielen Menschen Ängste erspart.
Dennoch: die in unmittelbarer Flughafennähe liegenden Gemeinden sind und bleiben vom Fluglärm betroffen. Aber vielleicht hilft ja dieser Test, die aufgeblähte Fluglärmkommission auf die wirklich betroffenen Anrainer zu reduzieren. Dann wäre auch ein zielgruppenorientiertes Ergebnis denkbar.
Grüne fordern nun auch uneingeschränktes Nachtflugverbot
Berliner FDP stellt Große Anfrage in Sachen Flugrouten
Mangelhafte Antwort des Senats führt zu neuem Streit
Wowereit auf Montagsdemo - Buhrufe, Pfiffe und nur ganz wenig Applaus
Wie angekündigt, hat Herr Wowereit auf der Montagsdemo am 08.11.2010 in Lichtenrade teilgenommen. Um 18 Uhr hielt er eine Rede, die von lautstarken Buhrufen und Pfiffen begleitet wurde. Er versicherte den Anwesenden sein großes Verständnis, schließlich hätte er ja auch 50 Jahre hier gelebt und außerdem würde er sich dafür einsetzen, dass von der Nordbahn am BBI nur geradeaus geflogen werde. Die aus Sicherheitsgründen abknickenden Flugrouten soll es nur auf der Südbahn geben. Dafür erhielt er von einigen Demonstranten Applaus.
So gesehen und gehört in den Sendungen des RBB "zibb" und "Abendschau" am Abend des selben Tages.
Doch nun kommt das Erstaunliche: Im Internet kann man die Sendung nicht mehr nachverfolgen. Der "zibb"-Beitrag wird nicht mehr gefunden, der "Abendschau"- Bericht von Ulli Zelle ist erst gar nicht eingestellt worden! War es zu peinlich für Herrn Wowereit? Wer übt hier die Kontrolle aus?
Erste Sitzung der Fluglärmkommission - Ergebnis?
Baustopp für BBI?
Koalitionspartner fordert Nachtflugverbot für BBI
Die BBI-Flugrouten sind ein „Skandal“
Das sagt nicht ein betroffener Anwohner, das sagt Herr Wowereit!
Der BVBB e.V. wird klagen
Linksfraktion will BVBB e.V. unterstützen
Und es wird lauter...
Am 05.10.2009 meldet die "Berliner Abendschau":
"Das Gutachten zum Nachtflugbedarf am künftigen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) liegt dem brandenburgischen Infrastrukturministerium vor. Die Studie soll in Kürze auf der Homepage des Infrastrukturministeriums veröffentlicht werden.
Ersten Berichten zufolge sollen die Gutachter dem Flughafen BBI bis zu 95 Nachtflüge gestatten. Von den 71 Starts und Landungen pro Nacht sollen laut dem Gutachten rund 40 Flüge auf die Zeit zwischen 22.00 und 23.00 Uhr entfallen . Mit 17 Flügen sei zwischen 23.00 und 24.00 Uhr zu rechnen, und zwischen 5.00 und 6.00 Uhr morgens sind es noch einmal neun Starts und Landungen. In der kritischen Zeit zwischen 0.00 und 5.00 Uhr ermittelt das Gutachten rund vier Flugbewegungen.
Das Bundesverwaltungsgericht hatte 2006 ein absolutes Flugverbot von 0.00 bis 5.00 Uhr festgelegt."
Man stelle sich vor: Jeden Abend zwischen 22.00 und 23.00 Uhr sollen 40 Flüge erfolgen. Das heißt, alle 1,5 Minuten dröhnt eine Maschine über das nahegelegene Wohngebiet!
Gut, dass in der folgenden Stunde bis Mitternacht nur noch alle 3,5 Minuten ein Flugzeug brummt. Und während der "kritischen Zeit" bis morgens 5.00 Uhr wird man nur viermal geweckt. Das bedeutet bei einer gleichmäßigen Verteilung der Flüge, dass die Anwohner eine Stunde und 15 Minuten gesund durchschlafen können. Zwischen 5.00 und 6.00 Uhr wird es schon wieder lebhafter: nur alle 6,6 Minuten ist ein Flugzeug zu hören!
Man kann den Anwohnern nur wünschen, dass diese Meldung des Senders Radio Berlin Brandenburg nicht zutreffend ist!
BBI: größer und teurer - und lauter?
BBI - der Single Airport oder: aus Sechs mach Zwei
BBI- ein Single-Airport?
Brandenburg übernimmt den Wirtschaftsfaktor Luftverkehr
Flugroutenstreit im Berliner Wahlkampf oder das Dilemma BBI am Standort Schönefeld
Seit die Deutsche Flugsicherung im September 2010 einen Flugroutenvorschlag vorgestellt hat, tobt der Kampf gegen den Fluglärm. Immer mehr Bürgerinitiativen haben sich gegründet und mit eindrucksvollen Demonstrationen ihren Widerstand gegen Lärm deutlich gemacht. Sehr schnell haben Matthias Platzeck und vor allem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ihre Solidarität mit den Demonstranten bekundet.
Erklärung: Im September 2011 wird in Berlin gewählt!
Nun hat auch die Bundeskanzlerin höchstpersönlich sich das Thema zu eigen gemacht. Zur Unterstützung des Berliner CDU-Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters hat Frau Merkel erklärt, dass sie die Debatte um die Flugrouten unterstützte. Wörtlich sagte sie auf dem Landesparteitag der Berliner CDU am 12.02.2011:
"Die Fachleute bei der Flugsicherung haben die Verantwortung, dass eine vernünftige Lösung gefunden wird, ohne Wenn und Aber."
Wie geht das aber? Was steht wirklich an erster Stelle? Lärmschutz oder Wirtschaftlichkeit? Die fragwürdige Finanzierung von BBI verlangt ein wirtschaftliches Vorgehen zur Steigerung der Einnahmen. Fehlende Einnahmen müssten mit Steuergeldern kompensiert werden. Und der Bund ist Miteigentümer und damit Mitfinanzierer von BBI.
Dabei sind nicht nur die Flugrouten von Bedeutung, die Anzahl der Flugbewegungen ist es ebenso. Außerdem stehen da immer noch die Forderungen der Fluggesellschaften nach einer Aufweichung des Nachtflugverbotes im Hintergrund.
Und noch eine Frage an Frau Merkel: Wie steht es denn mit der generellen Aufhebung des Flugverbotes in Deutschland? Im Koalitionsvertrag wurde bereits dieses Ziel andeutungsweise aufgenommen. Wohin die Luftfahrt in Deutschland will, geht aus einer Studie vom Februar 2009 hervor. Angestrebt werden deutschlandweite einheitliche Bedingungen, die den Wettbewerb stärken. Und dabei spielt die Deutsche Flugsicherung eine ganz entscheidende Rolle. Die starken Worte der Politiker sind daher nichts wert. Wer sich daran orientieren will, hat schon verloren. Zum Nachlesen nur zwei Auszüge aus dieser Studie:
12. Februar 2009
Neue Studie: Wettbewerbskraft stärken, Infrastruktur koordiniert ausbauen
Umfassende Analyse der Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts zeigt Handlungsbedarf auf / Initiative "Luftverkehr für Deutschland" fordert Flughafenkonzept
Berlin. Mit der Studie "Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts Deutschland" nimmt die Initiative "Luftverkehr für Deutschland" eine umfassende Bestandsaufnahme der deutschen Luftverkehrswirtschaft entgegen. Diese untermauert die Bedeutung des Luftverkehrs für die international ausgerichtete Wirtschaft und das allgemeine Mobilitätsbedürfnis des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Demnach hat der Luftverkehr erheblichen Einfluss auf die Gesamtleistung der deutschen Volkswirtschaft im internationalen Wettbewerb. Das Wachstum der Branche ist zudem unverzichtbar für Wohlstand und Beschäftigung in Deutschland. Dies hat Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), bei der Präsentation des Berichts in Berlin herausgestellt: "Deutschland ist ein starker Luftverkehrsstandort, gekennzeichnet durch hohe Verbindungsfrequenz und eine große Anzahl von Destinationen. Damit dies so bleibt und Deutschland am künftigen weltweiten prognostizierten Wachstum weiter partizipieren kann, müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden." .....
Und an anderer Stelle:
Wolfgang Mayrhuber, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, unterstrich, dass die Luftverkehrswirtschaft in Deutschland dann Arbeitsplätze und die notwendigen Anbindungen an den internationalen Luftverkehr sicherstellen kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
"Wir verlangen keine Subventionen, können aber auch keine zusätzlichen Belastungen vertragen, seien es Nachtflugverbote, einseitiger Emissionshandel, Gebührensteigerungen oder übertriebene Auflagen bei geplanten Zusammenschlüssen. Die Luftverkehrsindustrie liefert ein hervorragendes Konjunkturpaket, das ohne staatliche Zuschüsse funktioniert. In Deutschland und in der EU müssen jetzt zügig Strukturen geschaffen werden, mit denen wir langfristig im globalen Wettbewerb bestehen können. Deutschland ist im besonderen Maße auf effizienten Luftverkehr angewiesen. Wir sollen Luftfahrt nicht als Störfaktor, sondern als Chance verstehen."
"Auch bei uns bleibt die Wirtschaftskrise mit deutlich sinkenden Flugverkehrszahlen nicht ohne Folgen. Unsere Erfahrung ist jedoch, dass der Luftverkehr im Anschluss an derartige Entwicklungsdellen sogar wieder überproportional wächst", sagte Prof. Dr. Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG. Deshalb müsse nicht nur an Ausbauplänen an besonders nachgefragten Flughäfen festgehalten werden. Im Gegenteil müssten mittel- und langfristige Entwicklungen bei der Flughafeninfrastruktur deutschlandweit bedarfsgerecht und koordiniert erfolgen.
Wer mehr lesen möchte: Initiative Luftverkehr
Das Dilemma BBI am Standort Schönefeld ist nicht mit Demonstrationen und Debatten zu lösen. Der Standort war und ist falsch.
Es wird eng für das Internationale Drehkreuz BBI
2,7 Milliarden EUR Kredite –Refinanzierung noch gesichert?
Die aktuelle Flugroutendebatte ist nur ein Problem für die Refinanzierung der BBI-Kredite. Während Herr Wowereit auf der Montagsdemo am 08.11.2010 „seinen Lichtenrader Mitbürgern“ für ihren Einsatz dankt und behauptet, dass dieses Engagement auch seine Position unterstütze, sich zu dem Versprechen hinreißen lässt, dafür Sorge tragen zu wollen, dass nur von der Südbahn „abgeknickt“ geflogen wird (Radio Berlin 88,8 am 09.11.2010), macht der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft am selben Abend auf der ersten Sitzung der Fluglärmkommmission unmissverständlich deutlich, dass die sog. unabhängigen Parallelflüge – zumindest in den Spitzenzeiten – schon zur Eröffnung von BBI unabdingbar sind.
Wie geht das zusammen, muss man sich fragen. Wer ist hier ehrlich?
Die Antwort ist eindeutig: Sollten die Parallelflüge nicht möglich sein, so könnte nicht einmal das derzeitige Flugaufkommen von Tegel und Schönefeld zusammen erreicht werden. Keine Flüge – kein Geld. So einfach ist die Formel. Und Geld braucht die Flughafengesellschaft, um die durch die Kreditfinanzierung des Prachtbaus entstandenen Kosten zu bedienen.
Die Lichtenrader und andere betroffenen Anrainer sollten sich gut überlegen, welchen Versprechen sie Glauben schenken wollen!
Und die Gefahr der Kapazitätseinschränkung durch Flugrouten, die dem Lärmschutz geschuldet sind, ist längst nicht die einzige.
Das Problem Flughafengebühr
Im August 2010 wurde der BBI-Businessplan bekannt. Auf der Basis der Investitionskosten wurde errechnet, das ein Durchschnittserlös von 26 EUR pro Passagier an Flughafengebühr erforderlich werden wird.
Die durchschnittliche Gebühr liegt derzeit in Tegel bei 20 EUR, in Schönefeld bei 9 EUR! Die besonders günstige Gebühr in Schönefeld liegt an den Rabatten, die dem Billigflieger Easyjet gewährt werden. Damit wäre es bei der Eröffnung von BBI endgültig vorbei. 15 bis 16 EUR müssten pro Passagier mehr abgeführt werden. Die Full-Service Airlines wie Lufthansa und Air Berlin müssten dann 28 EUR zahlen. Der Grund dieser Differenz: Die Billigflieger haben ein eigenes Terminal mit einer geringeren Ausstattung.
Während sich Easyjet im August 2010 noch sehr moderat gab, forderte der Deutschland-Chef von Easyjet im Oktober 2010 den Erhalt des Flughafens Tegel. Als Gründe nennt er die zu hohen Flughafengebühren einerseits und das zu kleine Terminal für die Low-Cost-Carrier (Billigflieger). Würde man Tegel offen halten, könnte man das gegenwärtige Splitting beibehalten. Tegel würde dann der Flughafen für die Billigflieger werden, BBI der Flughafen für die Full-Service Airlines.
Germanwings hatte sofort die zu hohen Kosten moniert und Lufthansa bereits vor Monaten darauf hingewiesen, dass „man nicht für Quersubventionierung anderer Fluggesellschaften bereitstünde“.
Ryanair erklärte im September 2010, sollte die Flughafengebühr am neuen Airport BBI so hoch ausfallen, würde Ryanair Berlin nicht mehr anfliegen.
Und die Folgen?
Entweder werden Zuschüsse der öffentlichen Hand notwendig (sprich: der Steuerzahler muss zahlen) oder die Billigflieger werden aus Berlin abwandern. Die Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden sowie der neue Flughafen in Cochstedt bei Magdeburg, der sich schon „Magdeburg-Berlin International“ nennen wollte, stehen bereit und werden versuchen, die Low-Cost Airlines mit günstigen Konditionen abzuwerben. Und Cochstedt hat kein Nachtflugverbot!
Das Problem Luftverkehrsabgabe
Seit dem 01.09.2010 wird bereits für Flugbuchungen ab dem 01.01.2011 die neue Luftverkehrsteuer aufgeschlagen. Auch wenn über diese Steuer noch gestritten wird, hat Ryanair bereits reagiert: Der Flugplan für Deutschland wird zusammen gestrichen. Auch Berlin ist bereits mit dem Wegfall der Strecke zum Flughafen Hahn betroffen. Der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Dr. Rainer Schwarz, rechnet mit einem deutlichen Passagierverlust: ab 2011 werden jährlich eine Million Passagiere fehlen!
Und die Folgen?
Weniger Passagiere, weniger Einnahmen und damit fehlende Mittel für die Refinanzierung.
Die Belastung durch die Luftverkehrsteuer trifft die Billigflieger, die BBI anfliegen wollen, besonders hart. Da sind zu einem die hohen Flughafengebühren und nun noch die Abgabe.
Es besteht die Gefahr, dass diese Airlines auf Flughäfen mit günstigeren Konditionen ausweichen.
Das Problem Körper- und Flüssigkeitsscanner
Die EU hat sich für den europaweiten Einsatz von Ganzkörper-Scannern auf den Flughäfen ausgesprochen. Noch sind Termine und Kosten nicht geklärt, aber es wird bereits von 150 000 EUR pro Gerät gesprochen. Das meldete das österreichische Fernsehen am 01.02.2010.
Hinzu kommen die Flüssigkeitsscanner, die nunmehr stufenweise zwischen April 2011 und 2013 an allen Flughäfen der EU eingerichtet sein müssen. Wie die Welt im Dezember 2009 meldet, sollen diese Scanner 200.000 bis 300.000 EUR kosten.
Und die Folgen?
Noch ist nicht absehbar, welche Konsequenzen die Beschaffung und Aufstellung dieser beiden Scannertypen für BBI haben wird. Insbesondere der Ganzkörper-Scanner wird beachtliche Ausmaße haben, so dass der Platzbedarf zum Problem wird. Es könnte sein, dass weniger Abfertigungsschalter eingerichtet werden können, als die bisherige Planung das vorsah.
Zu den Kosten sind keine Angaben möglich, aber sie werden beachtlich sein.
Zusammengefasst heißt das: Die offizielle Aussage, die Refinanzierung des neuen BBI sei gesichert, steht auf sehr, sehr wackligen Beinen.
Debatte um die BBI-Flugrouten spitzt sich zu – wohin soll sie aber führen?
Am 27.09.2010 hat die Bürgerinitiative Stahnsdorf eine Website ins Netz gestellt, die der von den sog. "neuen Flugrouten" betroffenen Region eine Plattform zur Information und Diskussion bieten soll: www.fluglaermbbi.de/index.php .
Auf der Startseite findet sich die Abbildung eines Plakats mit dem Motto:
Ankündigungen reichen uns nicht! Unser Protest endet erst, wenn die alten Routen wieder offiziell bestätigt werden.
Nun ist es aber doch so, dass es gar keine "alten" Flugrouten gibt. Die für das Planfeststellungsverfahren zugrunde gelegten Flugrouten haben keine rechtliche Bindung, da sie nicht Teil der Planfeststellung waren.
Hierzu die klare Aussage des Sprechers des Brandenburger Infrastrukturministeriums:
"Die An- und Abflugrouten für den künftigen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld können unabhängig vom Planfeststellungsbeschluss festgelegt werden. Sie seien kein Bestandteil dieses Beschlusses, sagte der Sprecher des Infrastrukturministeriums, Jens-Uwe Schade, am Donnerstag in Potsdam. Die Festlegung sei einem getrennten Verfahren vorbehalten. Dafür ist laut Ministerium das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung in Kooperation mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) zuständig, und zwar immer jeweils kurz vor der Inbetriebnahme. Dies stehe auch ausdrücklich so im Planfeststellungsbeschluss für den Airport."
(Veröffentlicht am 16.09.2010 unter www.dnews.de)
Große Hoffnung wird jetzt auf die Fluglärmkommission gesetzt. Der Ansturm auf die Mitgliedschaft in dieser Kommission scheint eher bedenklich. Gemäß §32 b, Satz 4 sollen dieser Kommission nicht mehr als 15 Personen angehören. Derzeit sind es aber bereits 34! Laut Spandauer Volksblatt vom 03.11.2010 hat nun auch der Bezirk Spandau die Absicht, vertreten durch den Baustadtrat Carsten-Michael Röding, an den Sitzungen der Kommission teilzunehmen.
Gemäß §32 b Luftverkehrsgesetz wird die Fluglärmkommission von dem Land eingesetzt, auf dessen Gebiet der Flugplatz liegt:
(1) Zur Beratung der Genehmigungsbehörde sowie des Bundesaufsichtsamtes für Flugsicherung und der Flugsicherungsorganisation über Maßnahmen zum Schutz gegen Fluglärm und gegen Luftverunreinigungen durch Luftfahrzeuge wird für jeden Verkehrsflughafen, der dem Fluglinienverkehr angeschlossen ist und für den ein Lärmschutzbereich nach dem Gesetz zum Schutz gegen Fluglärm festzusetzen ist, eine Kommission gebildet. Ist die Anlage eines neuen Flugplatzes geplant, wird die Kommission vor Einleitung des Genehmigungsverfahrens gebildet.
Im Satz 2 des selben Paragrafen wird festgelegt:
(2) Die Genehmigungsbehörde das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung sowie die Flugsicherungsorganisation unterrichten die Kommission über die aus Lärmschutzgründen oder zur Verringerung der Luftverunreinigung durch Luftfahrzeuge beabsichtigten Maßnahmen. Vor Erteilung der Genehmigung zur Anlage oder Erweiterung eines Flugplatzes nach § 6 Abs. 4 Satz 2 ist der Kommission der Genehmigungsantrag mit den vorgeschriebenen Unterlagen zuzuleiten.
Das ist am 06.09.2010 durch die Deutsche Flugsicherung erfolgt. Nach Bekanntwerden der nun vorgeschlagenen Flugrouten brach der Protest aus. Die großen Hoffnungen, die auf die Fluglärmkommission gesetzt werden, sind eher fraglich, liest man Satz 3 des Paragrafen 32b:
(3) Die Kommission ist berechtigt, der Genehmigungsbehörde, dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung sowie der Flugsicherungsorganisation Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung gegen Fluglärm oder zur Verringerung der Luftverunreinigung durch Luftfahrzeuge in der Umgebung des Flugplatzes vorzuschlagen. Halten die Genehmigungsbehörde, das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung oder die Flugsicherungsorganisation die vorgeschlagenen Maßnahmen für nicht geeignet oder für nicht durchführbar, so teilen sie dies der Kommission unter Angabe der Gründe mit.
Danach hat die Fluglärmkommission lediglich ein Vorschlagsrecht - mehr jedoch nicht.
Die Genehmigungsbehörde kann auf die Vorschläge eingehen oder auch nicht.
Wenn in einer derartigen Kommission bereits 34 Mitglieder vertreten sind, muss gefragt werden, wie es zu einem abgestimmten Vorschlag überhaupt kommen kann. Die Interessen dürften breit gestreut sein. Außerdem sollte auch jedem Betroffenen klar sein, dass eine Flugroutenplanung immer wieder geändert werden kann und muss. Sie muss den aktuellen Bedürfnissen des Flughafenbetriebs angepasst werden. Und wer ein Internationales Drehkreuz fordert - wie es die Flughafengesellschaft tut und mit ihr die vielen Diskutanten in den einschlägigen Internetforen -, der muss auch den Fluglärm hinnehmen.
Selbst wenn die Genehmigungsbehörde auf Vorschläge der Fluglärmkommission eingehen sollte, kann kein Anrainer kann sicher sein, dass die erzielten Flugrouten auf Dauer bleiben werden. Hinzu kommt, dass der Faktor "Wirtschaftlichkeit" für den Flughafenbetrieb ein sehr bedeutender ist - wie sollten sonst die Kredite (siehe "BBI-Finanzierung: Vom Privatinvestor zum Steuerzahler" weiter unten auf dieser Seite) zurückgezahlt werden? Nicht umsonst betont Dr. Rainer Schwarz (FBS) die Notwendigkeit der parallelen Abflüge.
Der Standort Schönefeld war falsch ausgewählt und wird es auch bleiben.
BBI-Flugrouten: DFS der Sündenbock?
Jetzt demonstriert Herr Wowereit mit den Bürgern gegen die Flugrouten
Nachdem die Regierenden von Berlin und Brandenburg, Wowereit und Platzeck, ihren Unmut über die von der Deutschen Flugsicherung (DFS) am 06.09.2010 veröffentlichten Vorschläge für die BBI-Flugrouten medienwirksam geäußert haben, der Sprecher der Flughafengesellschaft, Ralf Kunkel, sie als „08/15-Planung“ bezeichnet und die DFS aufgefordert hat, „endlich andere Vorschläge auf den Tisch zu legen“, scheint der Schuldige ja gefunden zu sein: die DFS!
Tatsächlich aber hat die DFS zwei Modelle bereits im Juli 2009 unter Beteiligung der Berliner Flughafengesellschaft FBS GmbH in einer sog. Schnellzeitsimulation vorgestellt. Ziel dieser Maßnahme waren die „Ermittlung eines den betrieblichen Anforderungen entsprechenden Luftraumnutzungskonzeptes“ sowie die „Untersuchung auf zukünftige Tauglichkeit (Verkehrswachstum)“. Nachzulesen auf der Website der DFS.
Und von diesen Entwicklungsschritten wollen nun weder die Vertreter der Flughafengesellschaft noch ihre Aufsichtsratsvorsitzenden, die Herren Wowereit und Platzeck gewusst haben?
Selbst Herr Dr. Schwarz, Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, hat am 27.09.2010 auf einer Informationsveranstaltung die Notwendigkeit eines „unabhängigen parallelen Bahnbetriebs“ bekräftigt. Und genau dieser Forderung ist die DFS mit ihrem Vorschlag nachgekommen.
Welche Rollen spielen hier unsere Herren Politiker???
138 Mio. EURO Mehrkosten - aber BBI wird nicht teurer
Irreführungen an der Tagesordnung?
Als das Richtfest für das Flughafenterminal am 07.05.2010 gefeiert wurde, war der Eröffnungstermin 30. Oktober 2011 noch "ganz sicher". Wie die Märkische Allgemeine vom 26.06.2010 schreibt, versicherte Dr. Rainer Schwarz als "Chef" der Berliner Flughäfen "gebetsmühlenartig, das 2,5 Milliarden-Euro-Projekt liege im Zeit- und Kostenrahmen." Und der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft, Klaus Wowereit, hat diese Information mit Verve verbreitet. Jeder Zweifel an diesem Datum wurde als Majestätsbeleidigung abgetan.
Nun, die Zeiten sind vorbei. In der Aufsichtsratssitzung vom 25.06.2010 wurde als neuer Eröffnungstermin der 03.06.2012 festgelegt. Das ist eine Terminverschiebung um sieben Monate.
Diese Terminschiebung wird uns von Herrn Wowereit als
"guter Kompromiss aus vorausschauender Planung und weiterhin zügiger Realisierung des Airports"
dargestellt (Neues Deutschland)
Die Kosten:
- 50 Millionen für den Bau von zwei zusätzlichen Pavillons
- 62 Millionen für "terminsichernde Maßnahmen wie die Anpassung des Bauablaufs
- 26 Millionen Einnahmeverlust durch die Terminverschiebung.
Diese 138 Millionen Euro stellen aber keine Verteuerung der Gesamtkosten dar, sie sind schon als Reserve im Kreditrahmen enthalten! Das ist natürlich eine bemerkenswerte "vorausschauende Planung" - Anerkennung dafür!
Interessant wäre nun zu wissen, ob die "Reserve" damit aufgebraucht ist oder kann weiteres Unvorhersehbares - aber durchaus Mögliches - finanziert werden?
Hierzu gibt es keine Informationen.
Schaut man auf die beiden Gründe der Terminverschiebung, so muss
man sich wundern.
Grund 1: Neue EU-Sicherheitsbestimmung
Grund 2: Insolvenz eines Planungsbüros
Da ist ganz plötzlich eine neue Sicherheitsbestimmung der EU: die Flüssigkeitsscanner, die an den Sicherheitsschleusen doppelt so viel Platz benötigen als vorgesehen. Diesen veränderten Platzbedarf habe die Bundespolizei der Flughafengesellschaft erst am 25. Mai 2010 mitgeteilt (Morgenpost vom 04.06.2010).
Merkwürdig aber ist, dass dieses Thema bereits im Dezember 2009 durch die Presse gegangen ist (vgl. Welt v. 10.12.2009 oder Hamburger Abendblatt vom 15.12.2009) . Auch in Österreich wurde das Thema bereits im Februar 2010 durch den EU-Abgeordneten Leichtfried öffentlich diskutiert. Bei diesen Diskussionen geht es immer um die Anschaffungskosten, nie aber um einen besonderen Platzbedarf. Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, kritisiert in einer Stellungnahme vom 17.06.2010, dass es noch gar keine zertifizierten Geräte für den europaweiten Einsatz von Flüssigkeitsscannern gäbe.
Woher dann die Feststellung, dass diese Scanner einen doppelten Platzbedarf beanspruchen? Nebenbei: der Hersteller Smith's Detection bietet tragbare Geräte an!
Könnte es vielleicht doch so sein, wie die Morgenpost meldet, dass die Bundespolizei bereits im April 2009 die Platzverhältnisse für die Sicherheitsschleusen für zu gering berechnet bezeichnet hat?
Die Entscheidung, den fehlenden Platzbedarf durch den Bau von zwei Pavillons (Kosten 50 Mio. Euro) statt durch den Verzicht auf eine Ladenfläche auszugleichen, erscheint fragwürdig. Setzt man so stark auf Einnahmen aus dem Non-Aviation-Bereich? Soll BBI ein Einkaufcenter oder ein internationaler Flughafen werden?
Die Terminverschiebung wurde durch die Insolvenz einer Ingenieurgesellschaft erforderlich, die für die Planung der Technischen Ausrüstung des Terminals zuständig war. Diese Insolvenz ist aber bereits im Februar 2010 angemeldet worden, immerhin gut zwei Monate vor dem Richtfest, bei dem der Termin 30.10.2011 noch vehement verteidigt wurde.
Laut "Märkische Allgemeine" (MA) hat Rainer Schwarz (Chef der Berliner Flughäfen) den beiden anderen beteiligten Planungsbüros vertraut, die meinten, die Arbeit des insolventen Planungsbüros erledigen zu können. Bei der Aufsichtsratssitzung vom 25.06.2010 musste offensichtlich eingestanden werden, dass dieses Vertrauen nicht zu rechtfertigen war. Diese Fehleinschätzung führt nun dazu, dass die Planungsarbeiten beschleunigt werden müssen, wofür zusätzlich 62 Mio. Euro bereitgestellt werden. Im Neuen Deutschland wird Wowereit mit den Worten "terminsichernde Maßnahmen wie die Anpassung des Bauablaufs" zitiert. Das bedeutet, dass die Terminverschiebung allein nicht ausreichte, sondern zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um den Termin 03.06.2012 zu sichern! Daraus ist zu folgern, dass es doch erhebliche Rückstände aufzuholen gilt.
Kann man hier noch von einer "vorausschauenden Planung" oder einer "weiterhin zügigen Realisierung des Airports" sprechen?
Wie die MA weiter meldet, hat der Aufsichtsrat Herrn Dr. Rainer Schwarz auferlegt, häufiger als bisher über die Lage am BBI Bericht zu erstatten!
Und die Konsequenzen?
Die Airlines reagieren unterschiedlich. Während Air Berlin die Terminverschiebung als einen Rückschlag für den Luftverkehr in der Region beklagt, bleiben Lufthansa und vor allem Easyjet gelassen. Das ist verständlich. Air Berlin hat viel investiert, um BBI zu einem Luft-Drehkreuz auszubauen. So meldete im März 2010 die Berliner Morgenpost, das Air Berlin mit großem Erfolg in das Geschäft mit Umsteigeverbindungen über Tegel eingestiegen ist. Die Airline bereite sich damit auf die Aufnahme von weiteren Drehkreuzverbindungen für die Eröffnung von BBI im Jahr 2011 vor. Die Investitionen hätten sich mit der Eröffnung von BBI im Oktober 2011 ausgezahlt, so ein Sprecher von Air Berlin. Für die durch die Verzögerung entstehenden Kosten wolle man Kompensationen verlangen (Märkische Allgemeine).
Lufthansa dagegen hat es gar nicht eilig, denn damit verschiebt sich auch der Konflikt um den Wunsch der staatlichen Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate "Emirates", Berlin direkt anzufliegen. Lufthansa möchte diese Flüge über die Umsteigeflughäfen Frankfurt/Main und München leiten. Dahinter stecken wirtschaftliche Interessen, die ausführlich in einem Beitrag von Gerd Appenzeller im Tagesspiegel vom 17.03.2010 nachgelesen werden können.
Und Easyjet? Der Billigflieger muss doch um seine Preispolitik fürchten, denn mit der Eröffnung des Großflughafens können die Konditionen, zu denen Easyjet zur Zeit auf Schönefeld operieren kann, nicht mehr gehalten werden.
Der einzige Gewinner dieser Terminverschiebung ist die Deutsche Bahn. Die östliche Bahnanbindung an BBI soll bis März 2012 fertig gestellt sein, so Bahn-Sprecher Michael Baufeld in der MA.
Und der Steuerzahler? Es bleibt nur noch das Prinzip Hoffnung!
Brandenburg bremst seine Verkehrslandeplätze aus
Nachdem Brandenburg seine Verkehrslandeplätze seit 1990 mit 14 Mio. EUR gefördert hatte, wird nun kein Cent mehr gezahlt. Das trifft besonders die Verkehrslandeplätze Eberswalde- Finow, Strausberg und Schönhagen. Dort klagt Klaus-Jürgen Schwahn lt. MOZ vom 26.02.2010: "Wir sind im Genehmigungsverfahren für den Instrumentenanflug, das uns 2,3 Millionen Euro kostet, aber unterm Strich keine zusätzlichen Einnahmen bringt und die Investitionen eigentlich nicht rechtfertigt."
Das klang im Herbst 2008, als Tempelhof geschlossen wurde noch ganz anders. Da sah man sich als wichtigsten Entlastungsflughafen für BBI (vgl. hierzu weiter unter, linke Spalte "BBI- ein Single-Airport?).
Auch Strausberg sah optimistisch in die Zukunft und Eberswalde-Finow kämpfte damals und auch heute noch um die Genehmigung für eine Landebahn mit einer maximalen Startmasse (MTOM) bis zu 85 t, obwohl ein ablehnender Bescheid des Brandenburger Ministeriums bereits 2007 ergangen ist. Gegen diesen Bescheid ist 2009 Klage beim Oberverwaltungsgericht eingereicht worden. Ex-Minister Reinhold Dellmann, der anfangs Eberswalde-Finow massiv unterstützt hat, hat im August 2009 seine Meinungsänderung zugunsten von BBI offengelegt. Näheres ist auf der Website von Eberswalde-Finow nachzulesen.
Die Genehmigung dieses Ausbaus hätte erhebliche Folgen: Der Billigflieger Ryanair würde sofort nach Eberswalde-Finow wechseln, denn dort wären die Gebühren deutlich geringer als in BBI. Dieser Wechsel würde aber den Berliner Flughäfen nicht gefallen. Sprecher Ralf Kunkel meint, dass es dazu nicht kommen wird und sagt der MOZ: "Der internationale Flugverkehr wird auf BBI konzentriert, dazu gibt es ganz klare Aussagen in der Landesplanung."
Offensichtlich dulden die Berliner Flughäfen sowie das Land Brandenburg keine Konkurrenz für BBI. Obwohl doch von einem erneuten Anstieg der Passagierzahlen gesprochen wird und eine Erweiterung des Flugbetriebs in BBI wegen massiver Anwohnerklagen aussichtslos erscheint. Oder steht man dort doch unter einem enormen Erfolgszwang, was die Einnahmen betrifft?
Es war auch Herr Reinhold Dellmann, der den Flugplatz Schönhagen in seiner Amtszeit kräftig unterstützt hat. Der Ausbau der Bundesstraße 246 ist seinem Einsatz zu verdanken. Nun ist er nicht mehr Minister und das Land Brandenburg hat kein Interesse mehr an der Förderung der Verkehrslandeplätze.
Dabei sind Strausberg und Schönhagen nach eigenen Aussagen voll von der Welle der verdrängten Flieger von Tempelhof erfasst worden.
Man darf gespannt sein, wie das Problem für die Berliner Geschäftsflieger gelöst wird, wenn Tegel geschlossen ist und BBI voll in Betrieb geht. Ob dort die Geschäftsflieger mit ihren kleineren Maschinen auf Dauer Landegenehmigungen erhalten werden?
In diesem Zusammenhang ist eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) interessant. Die Studie besagt, dass Regionalflughäfen die Drehkreuze entlasten und außerdem "Jobmotoren" seien. Deutschlands Großflughäfen sind an die Grenzen ihrer Ausbaufähigkeit gelangt. Daher werden Regionalflughäfen benötigt. Diese wären nach Ansicht des IW für die Provinz ein Segen, denn sie würden direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen. Die Faustformel des IW lautet: 1 Mio. Passagiere = 1.000 Jobs.
Wichtig ist hierbei allerdings die frage nach der Wirtschaftlichkeit eines Verkehrslandeplatzes. Nachzulesen bei "Airliners.de"
Nun wird es wieder teurer
Lärmgutachten fehlerhaft - Entschädigungen zu gering bemessen
Es wird wieder ein paar Millionen kosten: Bei der Fluglärmberechnung sind "mehrere hundert Anlieger" von Entschädigungen ausgeschlossen worden. Grund: fehlerhafte Dateneingabe.
Das meldet die Märkische Oderzeitung am 12.02.2010, anderthalb Jahre vor Inbetriebnahme von BBI. Nun werden die Fehler korrigiert und weitere Schallschutzmaßnahmen müssen finanziert werden.
Auch die Entschädigungen für Anwohner, deren Hausgrundstücke neben den neuen Landebahnen liegen, können auf eine höhere Entschädigung bei Verkauf ihrer Immobilie rechnen. Das meldet die taz. Geklagt hatte ein Ehepaar aus Schulzendorf, dessen Eigentum durch den Ausbau des Großflughafens 50-60 % an Wert verloren hatte. Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass eine Wertminderung in dieser Höhe nicht vertretbar sei. Nun muss das Bundesverwaltungsgericht über eine adäquate Entschädigung entscheiden. Wie viele Anwohner von diesem Urteil profitieren werden, ist noch unklar. Dennoch dürfte es ähnlich gelagerte Fälle geben, in denen nun höher entschädigt werden muss als bisher.
Zur Erinnerung: Für diese Mehrkosten kommt kein Investor auf, sondern allein der Steuerzahler!
Das Neueste vom BBI
Gemeinden klagen weiter gegen Fluglärm - Brandenburger Autor zeigt das Dilemma von BBI
Während vier Umlandgemeinden Klage gegen die Nachflugregelung vom 20.10.2009 beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht haben (Berliner Morgenpost vom 19.11.09), fordert der Sprecher der FBS, Ralf Kunkel, indirekt eine weitere Aufhebung der Beschränkungen.
In der MAZ vom 04.11.09 sagt er: „Im Moment können wir damit leben, aber langfristig behindert uns die Deckelung im Wachstum“
Mit dieser Aussage hat er völlig Recht! Wie könnte sich ein Internationales Drehkreuz – also ein Hub – mit einem Nachtflugverbot je entwickeln? Überhaupt nicht!
Diese Fehlplanung ist einer der Ansatzpunkte des Autors Dr. Frank Welskop. In seinem Buch „BBI- ein neuer Berliner Bankenskandal?“, erschienen 2009 im Kai Homilius Verlag, zeigt der Autor weitere erschreckende Fehlplanungen und skandalträchtige Umstände, die die Zukunft von BBI bestimmen werden. Insbesondere geht der Autor auf die folgenden Fakten ein:
- falsche Standortwahl mit den entsprechenden Konsequenzen wie dem Nachtflugverbot
- falsche Ausgangsgrößen hinsichtlich Passagier- und Frachtflugverkehr
- Finanzierung mit Steuergeldern zu 100 % statt Privatisierung
- Ansiedlung der Low Cost Carrier in Schönefeld, jedoch kein Heimatflughafen von Linien-Airlines
- fragwürdiges Rabattsystem für den Billigflieger easyJet
Aus den aufgeführten Fakten zieht der Autor die Konsequenz, dass
- BBI nie rentabel wirtschaften wird
- für die Rückzahlung der Kredite mit bis zu 25 Jahren Laufzeit BBI mit Steuergeldern subventioniert werden muss
- aufgrund des Nachtflugverbots sich BBI nie zum Hub (internationales Drehkreuz) entwickeln kann
- das Rabattsystem, mit dem easyJet in Schönefeld gehalten wird, nicht auf andere Low Cost Carrier übertragen werden kann, woraus sich die Gefahr ergibt, dass die Airlines auf andere Flughäfen wie z.B. Dresden ausweichen.
Auch wenn der Autor es dem Leser nicht immer leicht macht, die dargelegten Fakten zu verifizieren – da wo es möglich ist, sind sie korrekt – und seine Darstellung gelegentlich eher polemisch zu bezeichnen ist, hat er doch ein sehr lesenswertes, wichtiges Buch geschrieben.
Der aufmerksame Steuerzahler sollte sich mit diesen Darlegungen und den daraus folgenden Konsequenzen intensiv beschäftigen.
Letztendlich geht es um sein Geld
BBI-Finanzierung: Vom Privatinvestor zum Steuerzahler
Zur Erinnerung: Punkt 2 des berühmten Konsensbeschlusses vom Mai 1996 war die "Privatisierung"! Unter Punkt 7 war ein "Privatisierungs-Management nebst Lenkungsgruppe und Lenkungsausschuss zur Realisierung der Privatisierung der Flughafengesellschaft (damals hieß sie noch BBF) sowie der Realisierung des "Single-Standorts Schönefeld" vorgesehen. Dieser Punkt war ebenso Teil des Konsensbeschlusses wie der Punkt 5.) Schließung der innerstädtischen Flughäfen.
Wo sind wir heute? Punkt 5 wird vereinbarungsgemäß erfüllt, Punkt 7 ist offensichtlich in Vergessenheit geraten. Von Privatisierung keine Spur. Im Gegenteil: Die Finanzierung erfolgt fast ausschließlich durch öffentlich-rechtliche Geldhäuser oder Förderbanken. Die Bürgschaft in Höhe von 100 % für diese Gelder - es sind immerhin 2,4 Milliarden EUR - tragen die Gesellschafter, also die Länder Berlin und Brandenburg mit jeweils 37 %, der Bund mit den restlichen 26 %. Im Klartext: Für die Berliner Steuerzahler könnten es bis zu 888 Mio. EUR werden.
Wer sind nun die Kreditgeber?
Die Europäische Investitionsbank ist mit zwei Krediten von insgesamt 1 Mrd. EUR der größte Kreditgeber. Die Laufzeit dieser Kredite beträgt 25 Jahre.
Die restliche 1,4 Mrd. EUR mit einer Laufzeit von 10 Jahren kommen von
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KfW IPEX-Bank |
310 Mio. EUR |
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Investitionsbank Berlin IBB |
310 Mio. EUR |
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Investitionsbank Brandenburg ILB |
310 Mio. EUR |
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Landesbank Berlin |
150 Mio. EUR |
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Norddeutsche Landesbank |
150 Mio. EUR |
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DZ Bank* |
100 Mio. EUR |
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Berliner Volksbank |
70 Mio. EUR |
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Gesamt: |
1400 Mio. EUR |
(Quelle: B2B-Businessportal für den Mittelstand )
Aus dieser Auflistung ist abzulesen, dass 1,23 Mrd. EUR sowie die weitere Milliarde der Europäischen Investitionsbank aus öffentlichen Geldern stammen.. Lediglich 170 Mio. EUR stammen von Genossenschaftsbanken.
Über die Konditionen dieser Kredite ist nichts gesagt worden. Besonders unklar ist, zu welchen Bedingungen die auf 10 Jahre befristeten Kredite nach Ablauf der 10-Jahres-Frist zurückgezahlt werden. Klar ist aber, dass die 1,4 Mrd. EUR nicht in den nächsten zehn Jahren abbezahlt werden können.
Zur Beruhigung für den Steuerzahler: Das Risiko dieser Bürgschaft wurde von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers als "noch vertretbar" beurteilt (Tagesspiegel vom 01.07.2009)
Bei der Vorstellung des Finanzierungsmodells am 30.06.2009 sprach der Aufsichtsratsvorsitzende der Flughafengesellschaft und Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, von einer "risikolosen Finanzierung". Die Flughafengesellschaft soll für diese Bürgschaft allerdings ein "Entgelt" zahlen. Über die Höhe des "Entgelt" ist nichts zu erfahren.
Berlin und Brandenburg bringen außerdem 430 Mio. eigenes Kapital in die Gesellschaft ein!
Und zum Schluss des dritte Standbein der Finanzierung von BBI:
Die Flughafengesellschaft wird sich mit 440 Mio. EUR bis zum Jahr 2011 am Neubau von BBI beteiligen.
Frage: Woher kommen die Einnahmen der Flughafengesellschaft?
Antwort: Zum überragenden Teil aus den Einnahmen des Flughafens Tegel!
Vgl.: Statistik der Senatsverwaltung für Finanzen
Berlin zahlt und zahlt für BBI! Bis heute hat noch niemand gesagt, wie und in welcher Form das Land Berlin an den Einnahmen beteiligt wird, die das Land Brandenburg aus dem neuen Flughafen und seinem Umfeld (!) gewinnen wird.
Wird es bei den Anteilen von 37 % der Flughafengesellschaft bleiben? Dann hat der Berliner Steuerzahler kräftig beim Bau von BBI geholfen. Und die Folgekosten für den Berliner Steuerzahler sind mehr als ungewiss.
Wie Herr Ministerpräsident Platzeck bei der Vorstellung des Finanzierungsmodells wissen ließ, ist "in keiner anderen deutschen Gemeinde die Gewerbesteuer so stark gestiegen wie in Schönefeld."
*Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, damit Zentralbank der VolksbankenRaiffeisenbanken
Vom Werksflughafen zum Single Airport
Zur Geschichte des Flughafens Schönefeld
Auch der Flughafen Schönefeld hat eine bewegte Geschichte. Eingeleitet wurde sie von der Henschel Flugzeug–Werke AG im Jahr 1934. Oskar R. Henschel, ein Angehöriger des kurhessischen Geschlechts Henschel und Generaldirektor der Henschel & Sohn GmbH, bekannt durch den Bau von Lokomotiven und Nutzfahrzeugen, beschäftigte sich seit 1933 auch mit dem Flugzeugbau. Anfangs in Berlin-Johannisthal, das jedoch zu eng wurde. Die Henschel Flugzeug-Werke, die vorwiegend div. Typen von Kampfflugzeugen bauten ( vgl.: www.luftfahrtmuseum.com bekamen Hilfe von oberster Stelle. Die Suche nach einem neuen Standort wurde vom damaligen Luftamt unterstützt. Fündig wurde man in Schönefeld/Diepensee. Im Oktober 1934 unterzeichneten Adolf Hitler und Hermann Göring die Zulässigkeitserklärungen für die Enteignung des Geländes des Karl Wrede gehörenden Rittergutes und die Errichtung einer Flugzeugfabrik. Es entstand ein Werk mit 12 Hallen, einem Flugplatz mit drei Pisten, Verwaltungsgebäuden und einem Gleisanschluss der Eisenbahn. In Diepensee befand sich die Luftfahrterprobungsstelle (vgl. Grenzdörfer/Seifert, a.a.O. S. 44 f). Die Henschel-Werke bauten in Schönefeld bis 1944 über 14 000 Kampfflugzeuge. An die polnischen und russischen Zwangsarbeiter erinnern eine denkmalgeschützte Grabstätte auf dem Friedhof des Ortsteils Großziethen und ein Gedenkstein im Ortsteil Selchow.
Grabstätte-Grossziethen
Gedenkstein-Selchow
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Werksanlagen zwar beschädigt, aber nicht zerstört. Etliche Gebäude sind erhalten und werden noch heute genutzt.
Im April 1945 wurden die Flugzeug-Werke und der Flugplatz von der Roten Armee besetzt. Es erfolgte die Demontage im Rahmen der Reparationszahlungen, später der Wiederaufbau bzw. die Erweiterungen zur Aufnahme des Flugbetriebs der sowjetischen Aeroflot.
Ab 1955 war es der damaligen DDR erlaubt, den Flughafen Schönefeld für zivile Zwecke mitzunutzen. Die DDR gründete die Luftfahrtgesellschaft „Deutsche Lufthansa“. Der Streit um die Namensführung endete erst nach erheblichen Auseinandersetzungen im September 1958 (vgl. K.-D. Seifert: Der deutsche Luftverkehr 1955-2000, Bonn 2001, S. 47 ff).
Nach der Gründung der „Interflug“ folgten sog. Generalausbauplanungen. Die erste aus dem Jahre 1958 sah vor, Schönefeld für den Strahlverkehr auszubauen. Schon damals wählte man den Begriff „Internationaler Großflughafen“ und schloss in die Planung den Abriss von Diepensee mit ein (vgl. Grenzdörfer/Seifert a.a.O. S. 47 ff).
In den Jahren bis zur Wende erlebte Schönefeld zwei grundsätzliche Ausbaustufen mit den zwei Start-/Landebahnen.
1990 wurde der Flughafen Schönefeld aus der „Interflug“ ausgegliedert und die Berlin Brandenburg Flughafenholding (BBF) gegründet.
Die veränderte politische Situation ließ den Bedarf an einem verstärkten Luftverkehr für die Hauptstadtregion real werden: ein Internationaler Großflughafen musste gebaut werden.
- der Transrapid Hamburg-Berlin realisiert werden würde.
- die Berlin Brandenburg Flughafenholding an Privatinvestoren verkauft werden könnte und der Ausbau von Schönefeld zum BBI mit Privatmitteln erfolgen würde.
Die erhoffte Länderfusion, ebenfalls ehemals Planungsvoraussetzung, war im Mai 1996 an den Nein-Stimmen der Brandenburger gescheitert.
Doch alles kam anders:
Bereits 1995 kauft die BBF ohne Zustimmung des Aufsichtsrats zu weit überhöhten Preisen 118 Hektar Ackerland östlich von Schönefeld auf. Verlust: rd. 400 Millionen DM (Focus Nr. 7, 1995)
Ein paar Monate später – so berichtet die „Berliner Zeitung“ am 15. September 1995 – vergibt Geschäftsführer Manfred Hölzel ohne Abstimmung Aufträge in Höhe von 30 Millionen DM.
Ein Jahr später ist die BBF mit rd. 500 Millionen DM verschuldet.
Der Fehlschlag Privatisierung
BBI - ein Luftdrehkreuz?
Die wesentliche Voraussetzung für den Ausbau des Single-Airports BBI und die damit verbundene Schließung des Flughafens Tempelhof war die Privatisierung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding BBF.
Im Juni 1998 stellt der SPD-Abgeordnete Christoph Schulze im Brandenburger Landtag eine Kleine Anfrage zur Privatisierung des BBF. Der Antwort der Landesregierung ist zu entnehmen, das die Ausschreibung im September 1997 begonnen worden ist.
- US-Flughafenbetreiber Airport Group International (AGI), Stromkonzern Bewag, Parsons Engineering und WestLB,
- Flughafengesellschaft Kopenhagen, Commerzbank und der US Baukonzern Bechtel,
- Baukonzern Hochtief, Flughafen Frankfurt Main AG (FAG), ABB Calor Schaltanlagen und Siemens, Berater: Deutsche Bank,
- Industrie-Verwaltungs-Gesellschaft (IVG/Bonn), Dresdner Bank, Flughafen Wien AG und die Dorsch Consult Ingenieurgesellschaft (München),
- British Airport Authority mit der Daimler Benz-Tochter Debis und der Allianz, Bauaktiengesellschaft Bilfinger & Berger mit dem Flughafen Schiphol,
- TBI-Gruppe unter Beratung der Schweizer Bank UBS.
Fünf Bewerberkonsortien sind ohne Angabe von Gründen zurückgetreten. Verblieben sind
- Konsortium 1, bestehend aus der Hochtief Airport GmbH, der Flughafen Frankfurt/Main GmbH, der ABB Calor GmbH Schaltanlagen GmbH
- Konsortium 2, bestehend aus der IVG-Holding AG, der Flughafen Wien AG, der Dresdner Bank AG, der Commerzbank AG und der Dorsch Consult GmbH
In der Folge kam es zu den bekannten Streitereien zwischen den Bewerbern sowie den Forderungen an die drei Betreiber der BBF, die Länder Berlin und Brandenburg und dem Bund.
Als Folge wird im Mai 2003 die Privatisierung abgebrochen und das Projekt von der Öffentlichen Hand (sprich: Steuerzahler) weitergeführt.
Damit ist die zweite und bedeutenste Voraussetzung, die zur Schließung des Flughafens Tempelhof führen sollte, entfallen. (Zur Erinnerung: Planungsvoraussetzung war die Länderfusion Berlin-Brandenburg, die im Mai 1996 scheiterte.)
Die dritte Planungsdeterminante, der Bau der Transrapidstrecke Berlin-Hamburg, 1992 in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen, scheiterte Anfang 2000 mit dem Ausstieg der Deutschen Bahn AG aus dem Projekt.
Die Zeit nach der Wende war geprägt von Visionen und überzogenen Prognosen. Das mag rückblickend für die damalige Aufbruchstimmung signifikant gewesen sein. Für langfristige Planungen in der Größenordnung eines Internationalen Luftdrehkreuzes für 45 Millionen Passagieren pro Jahr war es aber abträglich.
In einem Gutachten zum Großflughafenprojekt BBI zitiert der Gutachter, Dr. Uwe Malich, aus einer Niederschrift der 9. Sitzung des 6er-Ausschusses der BBF vom 11. Mai 1993, dass man nach einem Standort mit einer Fläche von 3.600 Hektar für einen Endausbau mit 6 Start- und Landebahnen und damit für die Abfertigung von 60 Millionen Fluggäste jährlich suchte.
Berlin Brandenburg International sollte das Luftdrehkreuz nach Osteuropa und Asien werden.
Nachdem man sich aber mit dem Konsensbeschluss 1996 für den Standort Schönefeld und einen Single Airport entschieden hatte, die Anwohner sich auch diesen Plänen nicht fügen wollten, eine Bürgerinitiative gründeten und klagten, blieb in der Planfeststellung nach langen Jahren und diversen Gerichtsurteilen der Ausbau des Flughafens Schönefeld mit 2 Start- und Landebahnen, einer begrenzten Anzahl der Flugzeugbewegungen von 360 000 pro Jahr und einem Nachtflugverbot in der Zeit von Mitternacht bis 5.00 Uhr. Das Terminal wird für eine Kapazität von 20-22 Millionen Fluggäste pro Jahr ausgelegt, kann aber mittels Module für 40 Millionen Passagiere pro Jahr erweitert werden.
Mittlerweile hat sich der Flughafen Wien zum Luftdrehkreuz für Osteuropa und Asien entwickelt. Der Flughafen Wien verfügt über zwei Start-/Landbahnen, eine dritte ist bereits genehmigt. Baubeginn ist 2009. Wenn BBI fertiggestellt ist, hat sich das Luftdrehkreuz zum Osten in Wien bereits etabliert.
Das neue GAT in Schönefeld
Diese Bilder vermitteln nur bruchstückartig den Eindruck, den man beim Besuch des GAT in Schönefeld gewinnen muss. Der vergessene Autobahnanschluss zwingt den aus Berlin kommenden Autofahrer die neue Autobahntrasse in Schönefeld zu verlassen, um auf der Straße Am Seegraben Schönefeld zu durchqueren, wieder auf die alte Autobahn nach Dresden aufzufahren, um sie über die Ausfahrt Waltersdorf zu verlassen. Dann geht es nach rechts über denkbar schlecht ausgewiesene Landstraßen auf die Baustelle des BBI. Bei Dunkelheit sind die Richtungshinweise nicht mehr lesbar. Die Zufahrt zum GAT ist ebenfalls nicht beleuchtet.
Das mit 7 Millionen Euro - so die Aussage der Flughafengesellschaft - erbaute Terminal ist mehr als schlicht ausgestattet. Es gibt keine gastronomischen Angebote, nicht einmal einen Kaffeeautomaten. Der Warteraum ist mit einigen wenigen Metallstühlen ausgestattet - mehr Komfort konnte nicht entdeckt werden. Das soll nun die Empfangshalle für Geschäftsflieger und mögliche Investoren in die wirtschaftliche Prosperität der Bundeshauptstadt Berlin darstellen.

Fazit:
Im Jahr 2003 werden die Privatisierungsversuche der Flughafengesellschaft für gescheitert erklärt. Die Länderfusion Berlin-Brandenburg scheiterte bereits 1996. Der Bau der Transrapid-Strecke Hamburg-Berlin ist 2000 aufgegeben worden.
Damit waren alle Voraussetzungen für die Schließung des Flughafen Tempelhof gemäß Konsensbeschluss entfallen.
Die Planung eines Internationalen Luftdrehkreuzes wird durch Begrenzung der Anzahl der Landebahnen sowie der Flugzeugbewegungen/Jahr und einem Nachtflugverbot erheblich eingeschränkt. Luftdrehkreuze, d.h. Umsteigemöglichkeiten im Luftverkehr regeln sich durch Angebot und Nachfrage. Bei der Inbetriebnahme von BBI ist der Flughafen Wien um eine weitere Landebahn erweitert worden und bedient die Luftverkehre nach Osteuropa und Asien.


